English version under construction. Online in few days!  http://www.berliner-mauer-kunst.net - Copyright 2013 by Art Infusion Factory / Berlin 1. Kapitel: Statement des Autors zu dem Photoprojekt Berlin – „Bildern aus zwei Jahrtausenden“ "Warum photographieren Sie?" fragte man mich während einer Vernissage. "Weil ich jahrelang als Drucker Millionen schlechter Photos  anderer verarbeiten musste, sich währenddessen meine eigene Vision von Photographie entwickelte. Ich konnte nicht mehr anders!" Es  war wirklich so. Na ja, beinahe so. "Ist Photographie Kunst?" lautete die nächste, heimtückische Frage. Nun konterte ich mit  philosophischeren Mitteln. „Kunst im eigentlichen Sinn existiert gar nicht, nur so genannte Künstler: das sind Masochisten, die zwanghaft  bestimmte Dinge tun. Sie können nicht anders und sind manchmal sogar glücklich dabei. Die Gesellschaft hat dann für die Produkte derlei  sonderbarer Aktivitäten die Metapher „Kunst“ kreiert. Wird eben diese Gesellschaft einem solchen Zeitgenossen auf Dauer nicht Herr, so  hängt sie anstatt ihn seine Bilder auf, z. B. in Museen. Man sieht - es gibt also doch ein Leben nach dem abgeschnittenen Ohr. Aber!  Zuerst der Schmerz - dann der Ruhm. Das Produkt absonderlicher, zwanghafter Aktivität, jetzt zum Werk erhoben, kann samt Schöpfer  bedenkenlos zur Schau gestellt und einer staunenden Öffentlichkeit präsentiert werden. Museen sind die zoologischen Gärten unserer  Kultur, die Galerien deren Freigehege!" Meine ich dies wirklich so?  Na ja, beinahe, allerdings mit viel Augenzwinkern.  Ein Photograph schafft sich seine eigene Realität im Aufspüren jener einzigartigen Perspektive, die nur sein Auge, seine Kamera zu  erfassen vermag, um einen flüchtigen Hauch der Zeitgeschichte einzufrieren. Nicht selten inmitten tausender von Zeugen des gleichen  Ereignisses mit abertausenden individuellen Sinneseindrücken.  Entschließt er sich, den Auslöser zu betätigen, hinterlässt die nie mehr wiederkehrende Zeit ihren Fingerabdruck auf dem Negativ.  Entschließt er sich, das Photo zu publizieren, avanciert seine subjektive Realität zur Realität des Betrachters, untrennbar verbunden mit  der Zeit, die das Bild festhält. Symbolisch gesehen gehört ihm seine ureigene Wahrnehmung nicht mehr allein, er teilt sie nunmehr mit  anderen. Ihren positivsten Niederschlag finden diese Prozesse soweit die Resultate seines Schaffens von Interessen etwaiger  Auftraggeber oder Redakteure unbeeinflusst bleiben. - Ist Photographie Kunst? -  Das Medium Photographie kann Illusionen zerstören, wie in so manchen „Betonköpfen“, die in verklärter „Nostalgiesüchtelei“ - sogar in  diesen Tagen noch - den einst real praktizierten Sozialismus "resozialisiert" sehen möchten. Das Medium Photographie kann über alle Wellenbewegungen der Geschichte hinweg Hoffnung nähren. So auch in mir, einem "unver-  besserlichen" Optimisten, einem jener, die bestimmte Dinge tun müssen ohne anders zu können und manchmal glücklich dabei sind. Im  Besonderen, wenn nicht der Künstler zum Thema, sondern das intensive Thema zum Künstler kommt. "Leben ist: was passiert, während man sich etwas ganz anderes vorgenommen hat." (Henry Miller)  Im Folgenden das Konzept zu diesem Photoband, der die letzte Dekade des ausgehenden Jahrtausends und die ersten Jahre des neuen  Millenniums behandelt, gereift in sechszehnjährigem Schaffen mit der Kamera auf den mit Geschichte asphaltierten Straßen von Berlin. Als  gestalterisches Mittel wurden ausschließlich schwarzweiß Materialien verwendet, eine Reduktion, um ohne jeglichen optischen Störfaktor  das inhaltlich Wesentliche auf den Punkt zu bringen. In Schwarzweiß zu arbeiten ist für mich gleichbedeutend mit einem photographischen  "Farbe bekennen". Beginnend in jenen schicksalhaften Tagen im November 1989, als ein Volk, begleitet von einem globalen Donnerhall, seine Mauern  überwand, wurde auch ich erfasst vom Euphorie-Strudel der deutsch-deutschen Ereignisse. Dem  Echo  jener  Zeit  mit  all seinen  „Nebengeräuschen“ vermag ich mich bis heute nicht zu entziehen. Einen vorläufigen Höhepunkt erfuhr das Projekt 2004. Dem Jahr, in dem sich am 9. November zum fünfzehnten Mal der Tag der Maueröffnung jährte.   An seinem Ausgangspunkt, dem Areal rund um das Brandenburger Tor - jedoch unter völlig veränderten gesellschaftlichen Konstellationen  schließt sich in dem vorliegenden Band der Kreis einer sechszehnjährigen visuellen Odyssee durch die Metropole, die einmal mehr  Weltgeschichte schrieb. Dieses Mal endlich eine positive.  Ein photographisches Werk, geschaffen aus einer Hand, erstellt mit nichts außer purer Emotion als Triebfeder, kann und will nicht Anspruch  auf dokumentarische Vollständigkeit erheben. Diesen mögen zukünftig andere Publikationen zum Thema erfüllen. Inhaltlich wechseln Großereignisse mit stillen Themen von nicht minderer Bedeutung, und in der Bildauswahl ergänzen sich philosophische  Grundgedanken, ästhetische Blickwinkel, historische Verbindungen sowie politische Aspekte. Über allem jedoch steht der serielle Effekt,  nur ermöglicht durch den Fluss der Zeit.  Während der Arbeit an diesem Projekt versank ich immer wieder in "Zeitreisen" im Archiv meiner "subjektiven Realitäten" und stellte dabei  mit Erstaunen fest, dass ich nicht mehr derselbe wie in jenen Herbsttagen 1989 war. Die Stadt, das Land, die Welt hatten sich verändert  (entwickelt?), die Bilder machten die gesellschaftliche und auch meine ureigene Metamorphose transparenter.  Photos, die damals bereits zum festen Kreis meiner Favoriten zählten, bewegen mich auch heute noch. Jedoch ihre Bedeutung / Deutung  hatte sich über die Zeit verschoben. Andere Aufnahmen hingegen, die jahrelang fast unbeachtet ein archivarisches Schattendasein  fristeten, avancierten urplötzlich zu Grundsäulen des Gesamtkonzepts. Durch  kontinuierliches  Dokumentieren  derselben Orte  und  sich  wiederholender  Ereignisse, also  dem  Schaffen  von Serien, in denen  der Mensch oder die Spuren, die er hinterlässt, im Mittelpunkt der Bilderwelt stehen, wird es möglich, das in  jedem  innewohnende  Erinnerungspotenzial  mannigfaltig  abzurufen.  Auch  aus  der  Masse  das Individuum, mittels Fokus der Kamera herauszufiltern und in  einen Kontext zueinander zu stellen, sind besondere Anliegen des Buchkonzepts. Die vorliegende photographische Langzeitbeobachtung - eine Synthese aus Kunst, Dokumentation, Journalismus und vor allem purer  Freude an der Ausübung dieses spannenden Mediums - ist auch als ein Reflektor von unwiederbringlichem Zeitgeschehen anzusehen.  Darüber hinaus möge das Werk auch der Erinnerung an Weltgeschichte dienen und  zu einem regen Dialog im Sinne von Frieden und  Völkerverständigung anregen. Berlin, die einstige Grenze der Welt im Wandel der Zeit, fixiert mit der Kamera an seinen symbolträchtigsten Stätten, die als historische  Brennpunkte tief im globalen Bewusstsein verankert sind, geformt aus Licht und Schatten, gleichsam einem "The times they are a  changing" in visueller Notenschrift, dem die Zeitgeschichte die Partitur diktierte. - Denkend sehen, sehend denken -  Günther Schaefer    Text als PDF für Druck / Download Startseite Archiv: Photos aus vier Dekaden von Günther Schaefer Originale, Photo-Bücher, Poster, Postkarten, DVD's, Geschenkgutscheine u.v.m. Terminkalender: Aktuelle Ausstellungen, Events und zukünftige Projekte von Günther Schaefer Biografie: Expositionen & Dokumente Kontakt & Gästebuch - Soziale Netzwerke - Impressum - AGB Aktuelles & News / Posten Sie Ihr Feedback    Text als PDF für Druck / Download 2. Kapitel: “OSTKREUZ CROSSROADS” – People of(f) FhainXbeg / The Districts History of Tomorrow  Das nächste Kapitel im photographischen Berlin-Zyklus von Günther Schaefer ist mit den jetzt vorliegenden Arbeiten aufgeschlagen. Nach  der 25-jährigen Langzeitbeobachtung der Metropole unter dem Titel „Berlin - Bilder aus zwei Jahrtausenden“, erfolgt nunmehr unter dem  Projektnamen “OSTKREUZ CROSSROADS” – People Of(f) FhainXberg ein weiterer konsequenter photographischer Abschnitt, begleitet  von einem neuen Expositionskonzept. In der zurückliegenden 25-jährigen Schaffensperiode widmete sich Günther Schaefers Schwarzweiß-Photographie überwiegend der so  genannten Wende- und Nachwendezeit, den Menschen der Stadt und den Spuren, die sie hinterließen sowie den Kuriositäten und  Phänomenen, die der Melting Pot Berlin produzierte.   2014, im fünfundzwanzigsten Jubiläumsjahr des Berliner Mauerfalls, erfolgen nun die Erstpräsentationen des neuen photographischen  Konzepts, das sich hauptsächlich der „Next Generation“ dieser Metropole widmet. Künstler aller Genres stehen stellvertretend für die  diversen Kunstszenen dieser Stadt aus dem Kreativ-Dreieck Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln Modell. Diese neue Avantgarde  Kunstschaffender verlangt photographisch geradezu nach Farbe. Um diesem Aspekt gerecht zu werden, schloss Günther Schaefer als  leidenschaftlicher Schwarzweiß-Photograph nach mehr als zwei Jahrzehnten wieder „Frieden“ mit dem Medium Farbe.    Ein weiterer inhaltlich wichtiger Bestandteil des neuen Konzepts von Günther Schaefer behandelt die zunehmende Gentrifizierung, die  unübersehbar auch von diesen Stadtteilen Besitz ergreift. Die Beispiele der Nachwendezeit in den 90iger Jahren im Bezirk Mitte sowie in  den 2000er Jahren im Prenzlauer Berg mögen als Exempel dienen wie die rapide Gentrifizierung junger Kreativschaffende, die das Flair  und das Straßenbild dieser Bezirke maßgeblich geprägt haben vom „Turbo-Kapitalismus“ gesellschaftlich an den Rand gedrückt und  letztendlich, einer existenziellen Problematik folgend, aus diesen Bezirken verdrängt wurden. Seit geraumer Zeit lässt sich diese  Entwicklung tendenziell auch in den erwähnten drei Stadtteilen erkennen.   Die photographischen Kulissen Günther Schaefers im öffentlichen Raum wurden nachdrücklich von der Generation, die seit dem Mauerfall  heranwuchs, künstlerisch gestaltet und sind ein fester Bestandteil der heutigen Identität dieser Bezirke - ebenso in der Wahrnehmung  eines Besucherstroms internationaler Gäste, die auch unter diesen Aspekten Berlin erkunden, sich inspirieren lassen und das Erlebte  global verbreiten. Günther Schaefer: „Diese aktuelle Form von „Streetart“ wird ebenso der fortschreitenden Gentrifizierung zum Opfer fallen  wie es zuvor an anderen Stellen geschah. Ergo, behandelt mein neues photographisches Thema bereits heute einen gewichtigen Teil der  Kunstgeschichte Berlins von morgen. Die Locations, ein faszinierendes Kaleidoskop aus Trash, Edel-Trash, Graffiti, morbider Architektur,  letzten Rudimenten einer DDR-Vergangenheit und schrill, attraktiven Individualisten werden auch hier schon sehr bald der Vergangenheit  angehören. Alles wird glatt, sauber aufgeräumt und für den jungen Kreativen kaum noch bezahlbar sein. All dies wird einhergehen mit dem  Verlust eines extraordinären Zaubers, den diese Stadtteile bei Tag und vor allem während eines pulsierenden Nachtlebens verströmen.“   Nach Schaefers Ausstellungskonzept entstehen zum Zweiten Aufnahmen im Studio; Bilder, die die Persönlichkeit des Modells pur und in  klassisch photographischer Technik würdigen und zum Ausdruck bringen. Stetiges Ziel dieser Sessions sei die Realisation und  handwerkliche Umsetzung gemeinsam entwickelter Ideen - Impulse, die die ureigene Handschrift des Photographen und das  Kreativpotential des jeweiligen Modells als Ergebnis des gemeinsamen Schaffensprozesses in einer photographischen Synthese vereinen. Konzeptionell werde auch in künftigen Präsentationen diesen Aspekten in Form von „Dynamischen Ausstellungen“ Rechnung getragen.  Die kommenden Expositionen sehen stets mehrere Events vor, die über eine pure Präsentation von Photographie hinausgehen:  Vernissage, Finissage sowie ein oder mehrere Special-Events gehören bei Schaefer zukünftig zum Programmstandard. Der Grundgedanke sei nicht nur die  Präsentation möglichst vieler Kreativgenres, sondern deren Verschmelzung. Literatur, Film, Musik und Performance-Art  nehmen dabei einen breiten Raum ein und zeugen in Live-Darbietungen vom kreativen Spektrum der Kulturmetropole Berlin. Überwiegend kommen bei diesen Events Künstler zum Zuge, die auch als Modell in den Ausstellungsexponaten vertreten sind und im Porträt vorgestellt  werden. Im weiteren Sinne verschaffe dies jeder Exposition eine spezifische Form von „Dreidimensionalität“: das Photo werde sozusagen  mittels Live-Act und Publikumsdialog „hör- und erlebbar“ - im Gegensatz zum aktuellen „Digitalen-3D-Hype“ dieser Tage in einer  natürlichen Fasslichkeit für die Besucher.   Günther Schaefer: „Ein weiterer Anker im Konzept der „Dynamischen Ausstellung“ ist die kontinuierliche Ergänzung der jeweils laufenden  Exposition mit aktuellem brandfrischen Photomaterial; das heißt, keine Präsentation endet mit der gleichen Bild-Dramaturgie wie sie  während der Vernissage anfänglich zu sehen war. Von Event zu Event wird die Ausstellung mit Werken aus jeweils neuesten Photo-  Sessions stammend, ergänzt und modifiziert. Bei allen beteiligten Akteuren und Rezipienten wird somit ein zusätzliches  Spannungsmoment erzeugt und visuelle Abnutzungserscheinungen seitens des Publikums können vermieden werden. Diese Multi-Media-  Events werden darüber hinaus kontinuierlich mit Slide-Shows und Filmdokumenten zu meinem Werk und seinem kreativen Umfeld  begleitet. Berlin, seit Generationen eine stetige Inspiration und unerschöpfliches Elixier für alle Sinne.   Denkend sehen – sehend denken“. Günther Schaefer Juni 2014 (Lektorat: C. Balbach).