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Das
Land der Liebe
Venezuela, das sonnige Land im Norden Südamerikas,
mit seinen leckeren Früchten und Palmen gesäumten Stränden, erwirtschaftet
80 Prozent seiner Einnahmen aus der Förderung und dem Handel mit Öl.
Beschäftigt sind dadurch momentan allerdings nur 2 Prozent der Einwohner -
was die Regierung ändern möchte. Auch vor dem Hintergrund, dass diese
wertvollen Ressourcen wahrscheinlich nur noch eine Generation lang
auszubeuten sein werden, ist ein gesellschaftliches Umdenken nötig. Dass
dieser Prozess zumindest bei dem Botschafter der Bolivarischen
Republik Venezuela schon begonnen hat, zeigt das Interview mit S.E.
Dr. Erik Becker Becker und dem BerlinBotschafter Günther
Schäfer, geführt von Alexander Wolf im Hotel Westin Grand.
DasCorps: Exzellenz, Ihr Name klingt in unseren Ohren sehr
deutsch, woher kommt er und seine Doppelung?
S.E. Dr. Erik Becker Becker (BB): Meine Vorfahren sind nun
in der 6. Generation in Venezuela, kamen aber aus dem
Elsass und Sachsen. In Venezuela ist es üblich, den
Familiennamen der Eltern zu übernehmen. Da sie zufällig beide Becker
hießen, entstand bei mir diese seltsame Doppelung ...
DasCorps: Noch mehr Kuriositäten verbinden sich mit
der Botschaft Venezuelas in Deutschland.
Sie haben Ihren Amtssitz außerhalb der gewohnten Berliner Botschaftsviertel,
sogar außerhalb Berlins.
BB: Ja, wir verlassen gern ein wenig die ausgelaufenen
Wege. Das Gebäude unserer Botschaft findet man in Potsdam in einer sehr
reizvollen Umgebung. Dadurch, dass wir dort fast die einzige Botschaft
sind, befinden wir uns in der angenehmen Lage des
"Lieblingskindes". Wir haben die volle Unterstützung des
Bürgermeisters und aller Behörden erfahren dürfen - wenn bei uns ein
Kätzchen nicht mehr vom Baum findet, rückt sicher sofort die ganze
Feuerwehr aus, um zu helfen! Spaß beiseite - in Venezuela
sagen wir: Es ist besser, der Kopf der Maus, als der Schwanz des Löwen zu
sein...
DasCorps: Was weiß man im fernen Venezuela
von Deutschland? Ist die Wiedervereinigung dort allgemein
bekannt?
BB: Es ist schön, dass Deutschland zusammengewachsen ist.
Dies war eine natürliche, notwendige Entwicklung. Ich bin der letzte
Botschafter Venezuelas in der DDR gewesen
und habe die Veränderung vor Ort miterleben dürfen. Bei uns ist Deutschland
sehr bekannt. Zu Hause in Venezuela sagt man immer, wenn
man von Deutschland spricht "...dass Land, in dem die
Mauer viel". Deutschland hat bei uns Symbolcharakter,
der Mauerfall in Berlin hat eine neue Epoche eingeläutet.
Endlich ist der Kalte Krieg überwunden, die Gefahr eines Dritten
Weltkrieges scheint gebannt!
DasCorps: Der Mauerfall und der Symbolcharakter der
Ereignisse seit dem November 1989 führen uns zu dem Mentor dieses
Interviews, zum Künstler und Berlin-Botschafter Günther Schäfer.
Herr Schäfer, beschreiben Sie bitte den Zuhörern auf radioEINS
und den Lesern von DasCorps Ihre Beziehung zum Land und zur Person des
Botschafters!
Günther Schäfer (GS): Venezuela muss ein wunderbares Land
sein, auch wenn ich bisher nur die Möglichkeit hatte, das kleine Gebiet
dieses Staates in Potsdam zu betreten. Doch dort konnte
ich in einer ausgesprochen freundlichen, entgegenkommenden Zusammenarbeit
mit der Botschaft und auch persönlich mit dem Botschafter meine Ausstellung
"Bilder aus einem anderen Jahrtausend" realisieren. Darin wird
die nun schon 12-jährige Entwicklung Berlins anhand von Fotoserien
dokumentiert, angefangen mit dem "Donnerhall des Mauerfalls", bis
hinein in unsere Gegenwart.
DasCorps: Sie sind auch bei der Gestaltung und dem Erhalt
der Eastside Gallery aktiv...?
GS: Die East Side Gallery ist die größte Open Air
Ausstellung der Welt. Eines der mittlerweile schon fast historischen
Kunstwerke stammt auch von mir: Die Verbindung der Israelischen und
Deutschen Flaggen als Zeichen zur Völkerverständigung, zur Erinnerung an
die gemeinsame Geschichte, die sich auch mit dem Datum des neunten
Novembers verbindet. Wie wichtig das Erinnern ist zeigt die Tatsache, dass
ich dieses Bild mittlerweile 25 Mal ausbessern musste, da es mit
rechtsextremen Symbolen beschmutzt und teilweise beschädigt wurde!
DasCorps: Exzellenz, Ihr Land ist ein Sonnenland, bekannt
für gute Laune. Wie geht man vor verführerischer Tropenkulisse mit
Problemen um?
BB: Innerhalb einer Generation müssen wir unsere gesamte
Wirtschaft umstellen - das Erdöl kann uns nur noch wenige Jahrzehnte
ernähren. Deshalb hat unsere Regierung ein Programm gestartet, dass auch
innerhalb der Bevölkerung großen Einfluss gewinnt, die... ungefähr:
"Öl pflanzen". Gemeint ist damit die schrittweise Umstellung der
ölorientierten Wirtschaft zu einem Ausbau der Landwirtschaft. Dies wird
sich auch auf den Export von Lebensmitteln Richtung Europa
auswirken und uns damit noch näher an Deutschland bringen,
wo wir aber schon jetzt gut vertreten sind. Wussten Sie, dass Deutschland
nicht nur viele Investitionen in Venezuela macht, sondern wir auch
umgekehrt? Beispielsweise, dass Venezuela in Schwedt
eine große erdölverarbeitende Fabrik mehrheitlich besitzt?
Doch zurückkommend zu Ihrer Frage nach dem Umgang mit Problemen in Venezuela:
Ich glaube wir haben grundsätzlich eine andere Form der Streitkultur in
unserem Land. Wenn zum Beispiel zwei Gruppen verschiedene Meinungen haben
und diese in Form von Demonstrationen auf die Straße tragen, ist es bei uns
nicht nötig, die Polizei einzuschalten. Wer die größte Menschenmenge
mobilisieren kann, der hat Recht. Ohne Gewalt auszuüben gibt sich die
andere Gruppe damit zufrieden. Das Ganze wird mehr von der sportlichen
Perspektive betrachtet, lockerer als anderswo.
Das Volk Venezuelas kann und will mit seiner Mentalität
alle Menschen der Welt mit Liebe erfüllen!
Das Interview führte Alexander Wolf für DasCorps
und radioEINS.
06. April 2002
"Die Botschafter" ist DIE Diplomatenshow, jeden
Samstag von 21 bis 23 Uhr exklusiv
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S.E. Dr. E. Becker-Becker

Günther Schäfer, Berlin-Botschafter Friedrichshain

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