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1988 - Kreuzgang des Karmeliterklosters Frankfurt a.M.

 

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DER BEGINNN - 1988 IN FRANKFURT AM MAIN

 

Die Ur-Version der "Vaterland-Flagge" wurde als Acrylgemälde im Format  110 x 175 cm  in  Gedenken

an 50 Jahre Pogromnacht zum 9. November 1988 angefertigt. Erstmalig wurde sie im Rahmen der viel-

beachteten  4.  Freien Frankfurter Kunstausstellung  des Bundesverbandes Bildender Künstler im

Karmeliterkloster,  einem  Museum der Stadt Frankfurt a.M. präsentiert. Diese erste Ausstellung fand

als Aktion im Kreuzgang des Klosters statt. Die Flagge wurde über Gräbern an Ketten installiert und mit

einem Begleittext von T. Mann aus der "Die Entstehung des Dr. Faustus" versehen. In diesen Tagen er-

ahnte noch niemand den Zusammenbruch des "Eisernen Vorhangs"  der sich exakt ein Jahr später

am gleichen Datum ereignete. Schon gar nicht hatte der Künstler damals eine Vorstellung dass sein

Motiv,  dann an die Berliner Mauer gemalt, vom Zeitgeschehen in einem völlig neuen historischen Kon-

text gestellt werden würde. Dem 9. November 1938 der so genannten "Reichskristallnacht" einem der

düstersten Kapitel deutscher Vergangenheit, stand urplötzlich der 9. November 1989, die „sanfte Revo-

lution"  als positivstes Ereignis deutscher Nachkriegsgeschichte gegenüber. Diese "schicksalshafte

Zahlenmystik"  erfuhr zukünftig in den Texten des Berliner Mauer Werks eine umfassende Würdigung.

 

Begleittext von Thomas Mann, entnommen aus: Die Entstehung des Doktor Faustus

 

C'est respectable! Pas précisément humain, mais extrémement  respectable! Sollen wir Juden, die wir

ein priesterliches  Volk sind, auch wenn wir in Pariser Salons minaudieren,  uns nicht zum Deutschtum hingezogen fühlen und uns  nicht  ironisch stimmen lassen von ihm gegen die Welt und  die Kunst für die

kleine Freundin? Volkstümlichkeit wäre für uns eine den Pogrom herausfordernde Frechheit.  Wir sind international, - aber wir sind pro-deutsch, sind es wie niemand sonst in der Welt, schon weil wir gar nicht umhinkönnen, die Verwandtschaft der Rolle von Deutschtum und Judentum auf Erden wahrzunehmen.

Une  analogie frappante! Gleicherweise sind sie verhasst, verachtet, gefürchtet, beneidet, gleichermaßen befremden sie und sind befremdet.  Man spricht vom Zeitalter des Nationalismus. Aber in  Wirklichkeit

gibt es nur zwei Nationalismen, den deutschen und den jüdischen, und der aller anderen ist Kinderspiel

dagegen,  - wie das Stockfranzosentum eines Anatole France die reine Mondänität ist im Vergleich mit der deutschen Einsamkeit  - und dem jüdischen Erwähltheitsdünkel ...  France  - ein nationalistischer nom de guerre.  Ein deutscher Schriftsteller könnte sich nicht gut Deutschland, nennen, so nennt man höchstens ein Kriegsschiff. Er müsste sich mit Deutsch begnügen, - und da gäbe er sich einen jüdischen Namen, - oh, la, la!