English version under construction. Online in few days!  http://www.berliner-mauer-kunst.net - Copyright 2013 by Art Infusion Factory / Berlin VATERLAND 1990 - 2014 „Ich hielt nur den Pinsel in der Hand, die Zeitgeschichte führte ihn”                                                                                                       Grundgedanken des Autors Günther Schaefer zu „Vaterland“ Bereits vor dreiundzwanzig Jahren im März 1990 habe ich inmitten  der Euphorie die dieses Land nach der so genannten „Wende“  erfasste mit meinem Mauergemälde "Vaterland" an der Berliner East  Side Gallery vor einer möglichen Wiedervereinigung von  faschistischem Gedankengut gewarnt.  Schon zu dieser Zeit waren  derartige Tendenzen mehr als nur latent spürbar. Wegen meiner in  diesem Kunstwerk zum Ausdruck gebrachten Sorge vor  aufkeimenden Neo-Faschismus wurde ich zum „weltfremden Spinner“  degradiert, der maßlos übertreibt und seinem Land mit solch einem  Pamphlet nur schadet. Die blauäugigen Zukunftsprognosen jener, die  mich derart abkanzelten und extrem konträr zu meiner Meinung  standen, sind leider nicht eingetroffen, nur allzu gerne hätte ich mich in diesem Fall geirrt. Für jenen  Personenkreis war der „Nazi-Kram“ bereits seit fünfzig Jahren Vergangenheit. So musste ich mich jedenfalls belehren lassen. In den folgenden Jahren hingegen wurden meine schlimmsten Befürchtungen, inzwischen  nicht nur wegen der gesellschaftlichen Ereignisse hierzulande, sondern auch angesichts politischer  Geschehnisse im Ausland,  weit übertroffen.  Persönlich war ich über die Jahre und bis heute an der Berliner East Side Gallery übelsten faschistischen  Attacken ausgesetzt. Mein Mauergemälde, eine Kombination zwischen der deutschen und israelischen  Flagge, als Friedenssymbol und Zeichen für Völkerver-ständigung zu verstehen, wurde in diesen  dreiundzwanzig Jahren fünfundvierzigfach von Fanatikern unterschiedlichster Richtungen gänzlich zerstört  oder mit Parolen besudelt. Ebenso oft kehrte ich zurück, um es zu restaurieren.  Auch um in der  Öffentlichkeit ein Zeichen zu setzen und vor allem der Jugend ein Beispiel für Widerstand gegen jede Art  von ideologischem Fanatismus zu geben.  Titulierungen wie: „Vaterlandsverräter“, „Judensau“ oder  „Flaggenschänder“ waren noch die harmlosesten Beleidigungen. „Sieg Heil“ Rufe aus passierenden  Fahrzeugen wurden zur bitteren „Normalität.“ In einem Fall war ich sogar genötigt, mich physisch zur Wehr  zu setzten. Auch wurde mir der Hitlergruß mit unverhohlenem Hass entgegengereckt. Per Telefon erreichten  mich anonyme Morddrohungen. Entschädigt wurde ich jedoch auch mit Hunderten von wohltuenden Begegnungen. Spontane Zustimmung  kam von vielen Einheimischen, zufälligen Passanten oder ausländischen Berlin-Besuchern die zielbewusst  die East Side Gallery aufsuchten. Ebenso gaben mir viele positive und ergreifende Zuschriften aus aller  Welt die Energie, immer wieder diese zehn Meter Berliner Mauer zu bearbeiten. Ein Monument der Deut-  schen Teilung, durch die Kunst, angebracht an der früher für jedermann mit Tabu belegten Ostseite, nun-  mehr auch zu einem Symbol für die Überwindung dieser Teilung geworden, entwickelte seine ureigene  Dynamik. Es avancierte über die Zeit mit jeder Zerstörung und jeder Wiederherstellung zu einem „Spiegel“  deutscher und internatonaler Befindlichkeiten, in dem sich von Jahr zu Jahr tiefere Spuren von Intoleranz  und blindem Hass eingruben. Nach einer gewissen Periode dieser Wechselbäder, einer intensivsten Mixtur  aus  Ablehnung und Zuspruch, hielt ich den Pinsel nur noch in der Hand, geführt wurde er alleine von der  Zeitgeschichte. Einem blinden Fanatismus bot ich der jeweiligen Situation entsprechend mit gewaltfreiem  Aktionismus die Stirn. Wer ist stärker, ihr oder ich, Intoleranz oder die Freiheit? Ein mir jederzeit mögliches  „Ich mag nicht mehr“ wäre einem bequemen Kapitulieren, einem „in die Knie gehen“ vor einer braunen  Demagogie gleichgekommen und hätte mein bisheriges Schaffen mit Recht in Frage gestellt. Allen  Motivationen voran, die die Triebfeder dieser „Arbeit am Verdorbenen“ ausmachten, steht in erster Linie der  konstruktiv und offen geführte Dialog mit der Jugend, er stellt die Basis all meiner Aktivitäten. Diskussionen,  ob kritisch oder positiv, doch stets lebendig zukunftsorientiert, machen den eigentlichen Sinn dieses  Wirkens aus. Gespräche, die mir zur Gewissheit verhalfen, nicht einer bloßen künstlerischen „Don  Quichotterie“ verfallen zu sein. Ungezählt wie häufig Freunde und Kollegen in all den Jahren, obwohl  politisch gleichgesinnt, nur ein mitleidiges: „Gib doch endlich auf Junge, es hat keinen Zweck“ mir auf dem  Weg zur nächsten Rettungsaktion zuraunten. Ebenso lehrten mich zahlreiche Begegnungen mit jungen  Leuten nicht an einen unbedingten Erfolg eines Verbots rechtsradikaler Parteien zu glauben, sondern dass  es möglicherweise sinnvoller sein könnte, über die Förderung eines kontinuierlichen Dialogs in den Köpfen  der Jugend ein Toleranzklima zu erzeugen, das rechtsradikale Ansichten von selbst verbietet. Die Wurzel allen Übels ist nach meiner Überzeugung in dem Faktum begründet, dass ein Großteil der  älteren Generationen, entgegen ihres erzieherischen Auftrags, unsere Jugend in punkto Aufklärung und der  damit verbundenen Bewältigung des wohl tiefgreifendsten Negativthemas deutscher Geschichte sich selbst  überlässt. Die Gründe hierfür mögen mannigfaltig sein. Persönlich entstamme ich einer deutschen: „Wir-  haben-von-nichts-gewußt“ Familie. Diese "Mauer des Schweigens" nötigte mir, in jungen Jahren motiviert  durch ein Schlüsselerlebnis, eine mühselige Spurensuche ab, die in der Folge als Ergebnis in der Ur-  Version der „Vaterland-Flagge“ mündete. Da mein Beispiel hierzulande Legion ist, darf dies durchaus als  Vorwurf verstanden werden, aber auch als Anregung, eigene Aktivitäten in punkto einer Verbesserung  dieses bis dato währenden Missstandes zu überdenken. Im Besonderen, angesichts der Tatsache, dass  dieser wiedervereinte und wiedererstarkte Staat bereits bis Mitte der Neunziger Jahre dem Trauma eines  Rostock, Solingen, Mölln, Hoyersweda sowie der brennenden Synagoge in Lübeck ausgesetzt war. Ein  kurzer wütender kollektiver Aufschrei in Form von Lichterketten genügte bei weitem nicht, das Defizit an  Geschichtsbewusstsein, unter dem die Jugend leidet, zu erhellen. So positiv diese Aktionen auch gemeint  waren, so rapide verpuffte ihre Wirkung, verschafften gar noch so manchem Mitverantwortlichen aus der  Politik ein internationales Alibi. Man ging wieder zur Tagesordnung über. Es war schließlich nur eine  Minderheit ideologisch verirrter die für diese Dramen verantwortlich war. So der damalige Tenor. Die  Lichterketten erscheinen aus heutiger Sicht nur noch als bloßes Strohfeuer. Mit Langzeitwirkung gezündelt  haben andere, und dieser Brandstiftung sah ein in tatenloser Verantwortungslosigkeit wiedervereintes Volk  bequem und selbstgefällig zu. Die so genannten NSU-Morde im noch jungen Jahrtausend, legen hierfür,  unwiderlegbar, ein traumatisches Zeugnis ab. In all diesen Jahren wurde eine große pädagogische Chance  vertan, auf die Kinder einzuwirken, die heute als Jugendliche oder junge Erwachsene der Welt die  Wiederkehr der „Fratze des hässlichen Deutschen“ beschert. Dieses destruktive Schweigen der großen  Mehrheit bestellt bis heute den ideologischen Nährboden für den braunen Flächenbrand, den es endlich zu  löschen gilt. Jedwedes Schweigen der älteren Generationen zu Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und  Rassismus kommt auch einer Dialogverweigerung gegenüber der Jugend gleich und überlässt gleichsam  einer braunen Demagogie unsere Zukunft, öffnet Fanatismus jeglicher Coleur Tür und Tor. Einem Virus, der  sich in den Köpfen unserer Jugend im gleichen Maße potenziert, wie die große Masse  betreten schweigt.   Nicht nur die Geschichte unseres Volkes hat bewiesen, dass Demokratie das höchste  gesellschaftliche Gut ist, das es zu wahren und zu schützen gilt und dies nicht erst seit  dem Trauma des 11, September 2001. Dazu gehört jedoch, dass ein jeder Demokratie  täglich neu bewusst begreift, lernt und lehrt und die Grenzen der eigenen  Dialogfähigkeit kontinuierlich erweitert, ganz besonders dann, wenn es zuweilen  unbequem ist und sogar weh tut. Möge dieses Werk hierzu einen bescheidenen Beitrag  leisten. Günther Schaefer   Startseite Archiv: Photos aus vier Dekaden von Günther Schaefer Originale, Photo-Bücher, Poster, Postkarten, DVD's, Geschenkgutscheine u.v.m. Terminkalender: Aktuelle Ausstellungen, Events und zukünftige Projekte von Günther Schaefer Biografie: Expositionen & Dokumente Kontakt & Gästebuch - Soziale Netzwerke - Impressum - AGB Aktuelles & News / Posten Sie Ihr Feedback 2009. Günther Schaefer - Vaterland / East Side Gallery. Photo©G.Schaefer April 2009. Vaterland / East Side Gallery. Photo©G.Schaefer Kunsthistorische Analyse: Professor Dr. Olav Münzberg / UdK Berlin “Ein Kunstwerk als politische Elegie” Günther Schäfers Erinnerungszeichen und Mahnmal an der Berliner Mauer von 1990. PDF-Text zu “Vaterland” zum Druck / Download Wissenschaftliches Forschungsprojekt Johannes Gutenberg Universität Mainz “Iron Curtain Stories” Autor: Ole Gurr PDF-Portfolio zu “Vaterland” zum Druck / Download Statement von Günther Schaefer zu “Vaterland” PDF-Portfolio zu “Vaterland” zum Druck / Download